Hallo Ihr Daheim,
bin soeben vom Mt.-Everest (Basecamp) zurueck, wohlauf und
gesund, was leider nicht immer so war. Da alle PC besetzt waren,
bin ich noch schnell zum Frisoer, wollte mir den doch schon recht
langen Bart kuerzen lassen, was der aber nicht ganz verstand, und
mich vollstaendig rasiert hat. Gottesurteil, auch gut, dann werde
ich wenigstens ueberall richtig braun. Hab mir auch gleich noch die
Haare etwas in Form bringen lassen, eine tolle Kopfmassage bekommen
und das alles fuer 25 Rp/Cent. Gruss an meine Frisseurin, die das
hoffentlich liest.
So, jetzt aber zum Trek, der schon mit Hindernissen anfing. Wir
haben in Thamel im Hostel uebernachtet (200 Rp fuers Einzelzimmer,
leider sehr laut), da wir um 5.30 Uhr abgeholt wurden. Auf dem
Flughafen lange gewartet, dann ging's aber gegen 9.00 doch los,
unser Flieger, 15 Fensterplaetze und im Heck eine Dreierreihe, hob
ab, flog eine weite Schleife, so dass wir eine kostenlose
Besichtigungstour hatten, und kehrte dann nach Kathmandu zurueck.
Techn. Probleme hies es. Wieder in den Warteraum, bis sich um 12.30
Uhr rumsprach, Flug gestrichen. Also zurueck nach Thamel ins
Hostel, nochmal shopping und gut Essen und am naechsten Morgen
wieder um 5 raus. Diesmal, Sonntag 2.3., klappte es und wir
landeten um 9.30 in Lukla, 2.800 m hoch. Nach kurzem Fruestueck
wanderten wir bis Phakding, 2.600 m hoch, also sogar ein Abstieg.
Wir waren alle sehr muede, weniger vom Laufen als vom zweimal um 5
aufstehen, also frueh in den Schlagsack. Ich habe uebrigens immer
ein Einzel-"Zimmer", soweit man von Zimmern sprechen kann, sehr
angenehm.
Den naechsten Tag geht's gegen 8.30, wie fast immer, los,
und -oh Schreck- nach der Mittagspause faengt's an zu Nieseln.
Darauf bin ich nicht vorbereitet. Die neue Windstopperjacke haelt
gut und die Hose trocknet schnell auf der Haut. Immer wieder
ueberholen wir Yak-Karawanen (alles muss zu Fuss nach oben gebracht
werden), auch andere Reisegruppen und ueberqueren lange,
schaukelnde Haengebruecken. Am Ende geht es steil bergauf bis nach
Namche Bazar, 3.440 m. Der Ort macht seinem Namen alle Ehre, hier
kauft jeder, was er vergessen oder nicht bedacht hat, ich eine
wasserdichte Hose, die ich auch beim Skilanglauf brauchen kann,
rede ich mir ein. Die Nacht ist saukalt, naechste Nacht werde ich
mit Muetze schlafen. In Namche bleiben wir einen Tag zur
Aklimatisierung, besuchen das Kloster Kumjung -leider sind die
Moenche ausgeflogen, vielleicht war's ihnen zu kalt-, ein Museum,
na ja, ich lerne, dass die Sherpas vor ca. 400 Jahren aus Ost-Tibet
eingewandert sind und irre was tragen koennen und das haeufig in
FlipFlops. Die letzten beiden Punkte habe ich natuerlich nicht aus
dem Museum sondern aus eigener Erfahrung.
Habe am Abend leichtes Fieber und gehe um 7.30 -mit Muetze- ins
Bett. Naechsten Morgen scheint die Sonne strahlend auf
schneebedeckte Berge (meine regendichte Hose habe ich nie
gebraucht, aber beim Skilanglauf !?), ich bin magendarmmaessig
nicht ganz in Ordnung und wir haben eine traumhafte Wanderung, bei
mir allerdings mit maechtigem Durchfall, den ich nach 3 Tagen
endlich mit Antibiothika vom Hoehenkrankenhaus in Periche, 4200
m, (auch alles Freiwillige) in den Griff bekomme. Was die
ganze Reise ueber bleibt ist eine extreme Appetitlosigkeit, teil
der Hoehenkrankheit, die mich ansonsten in Ruhe laesst. Die anderen
haben zwar Hunger aber starke Kopfschmerzen oder Atemnot, beides
laesst sich mit Tabletten in den Griff kriegen. An der
Hoehenkrankheit stirbt auch heute noch einer von 30.000 Trekkern,
was allein auf den Mt.EBC-Trek bezogen zwei Trekker pro Saison
sind. Auch einheimische Traeger sind betroffen, die werden oft in
Kathmandu fuer wenig Geld angeworben und vernachlaessigen aus Angst
vor der Bezahlung die Warnzeichen.
Ich kuerze jetzt den Bericht ab, damit ich zu Hause noch was
erzaehlen kann.
Am 8. Tag erreichen wir Gorak Shep, 5.140 m, den letzten
Uebernachtungspunkt unserer Reise. Die anderen wandern zum
Basecamp, ca. 5300 m, wo es absolut nichts zu sehen gibt, keine
Menschenseele, kein Zelt, kein Schild und auch nicht den hoechsten
Berg der Welt, den wir aber auf unserer Tour haeufig im Blick
haben. Er sieht allerdings nie so ganz maechtig aus, weil er im
Hintergrund liegt und die Perspektive taeuscht. Ich ruhe mich aus
und wandere dann allein steil nach oben auf den Kala Patthar, 5500
m hoch, von wo aus ich einen guten Blick auf den Mt. Everest, 8850
m, und den riesigen Gletscher Khumbu vor mir habe. Besonders
eindrucksvoll ist das permanente Knacken des Gletschers in sonst
absoluter Stille. Beim Abstieg am naechsten Tag erwischt es Kate,
sie wird erst von Pema, unserem Fuehrer, getragen und steigt dann
auf ein Pferd, Leihgebuehr 100 Dollar, um. Ob das die Krankenkasse
bezahlt? Und wir sehen den Bericht der Aerzte bestaetigt. Ein
Traeger liegt fast bewusstlos am Boden, auch er wird dann von einem
Pferd nach unten gebracht. Ich dolmetsche (!!), der Kunde ist ein
deutscher Bergsteiger aus Dresden, der kein englisch spricht.
Zusammengefasst: Der Trek ist wegen unserer Krankheiten
haefig beschwerlich, ich bin froh, abends in den saukalten,
morgens aber warmen Schlafsack zu kommen, immer zusammen mit der
Batterie aus meinem Fotoapperat und in den Klamotten, die ich auch
tagsueber trage, jeder Toilettengang ist gefaehrlich, da die franz.
Toiletten auch nachmittags noch vereist sind und man leicht
ausrutscht, ich habe zwei neue Spiele gelernt, American Joker und
das Loeffelspiel, beide wirklich gut, meine Sonnencreme ist
eingefroren, die "Zimmer" sind max. durch eine Sperrholzplatte
abgetrennt, was einem manchmal das Gefuehl gibt, im Doppelbett zu
liegen, die Hoehenkrankheit verursacht als leichteres Symptom
perverse Traeume, z.B. von Matjesbroetchen, die ich als
baldige Rueckkehr des Hungers deute, der unter 3.000 m tatsaechlich
wieder einsetzt, ich erlebe phantastische Augenblicke und
Ausblicke, unsere Gruppe haelt gut zusammen, trotzdem ist jeder am
Ende froh, wieder im warmen Kathmandu zu sein.
Und zu guter Letzt: Weil auf unserem Flug zurueck ein Passagier
zu viel an Bord ist, warum auch immer, die letzte Dreierbank wird
halt eine Bank fuer vier, haben sie unser Gepaeck aus
Sicherheits-(Gewichts-)gruenden stehengelassen, Ordnung muss sein.
Wann es kommt, weiss keiner. Ich bin also noch in den jetzt 15
Tage/Naechte alten Klamotten, denn mein anderes Gepaeck ist im
Waisenhaus in Bhaktapur. Trotzdem werden wir heute Abend in Thamel
ordentlich gemeinsam essen. Wobei ich vergass. Das Essen war immer
excellent, jeder konnte sich aussuchen, was er wollte, von Spagetti
bis Yak/Steak, nur Sonderwuensche wie Bier musste man selbst
bezahlen. Und der Preis steigt mit jedem Hoehenmeter, wie gesagt,
alles muss zu Fuss nach oben getragen werden. Die 0,65 (!!)
L-Flasche Tuborg kostet unten 150, oben in Gorak Shep 400 Rp. Wenn
man allerdings keinerlei Hunger hat, kriegt man nur Tomatensuppe
mit Reis in den Magen rein. Und ich kann euch sagen, Reis macht
absolut nicht dick. Ich habe das Gefuehl einige Kilos abgenommen zu
haben.
Bilder kommen nach, ich muss erst vom Chip auf CD brennen
lassen. Schaut einfach ab und zu rein bei http://picasaweb.google.com/wohakiel/Nepal2008
Das war's mal wieder, der naechste Bericht wird wohl etwas auf
sich warten lassen, ich gehe bald zurueck ins Waisenhaus und da
passiert nicht viel.
Ganz liebe Gruesse aus dem fernen Nepal und Namaste, Ram.